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Riffe - die Regenwälder der Meere"

Nr. 6, 2004
Reportage von Constanze Conrad

 
Riffe - die Regenwälder der Meere

Als zweitartenreichstes Ökosystem der Erde sind Korallenriffe der Grund für weiße Traumstrände, liefern Nahrung Abermillionen Küstenbewohner und bieten nicht zuletzt für fast 20 Mio. Taucher weltweit Erholung.

Aber die Unterwasserparadiese sind bedroht. Die größte Gefahr für die tropischen Riffe geht von der globalen Erderwärmung aus. Korallen reagieren sehr empfindlich auf Temperaturveränderungen. Steigt die Meerestemperatur um nur wenige Grad an, setzt ein Phänomen ein, das Coral Bleaching genannt wird. Korallenzellen leben in Symbiose mit kleinen Algen, den sogenannten Zooxanthellen. Diese geben den Korallen ihre schöne bunte Farbe. Tagsüber betreiben die einzelligen Algen Photosynthese, während die Korallenpolypen nachtaktive Räuber sind, die das aus der Tiefsee aufsteigende Zooplankton mit Hilfe ihrer Nesselkapseln fangen. Ein reger Nährstoffaustausch findet zwischen den Korallenpolypen und ihren "Untermietern", den Zooxanthellen, statt. Bei steigenden Wassertemperaturen verlassen die Algen die Korallenzellen. Die Koralle verliert nicht nur ihre Farbe, sondern auch 50 Prozent ihrer Nahrungsquelle. 1999 war das heißeste Jahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten (1859). In diesem Jahr starben weltweit zehn Prozent aller Riffe durch Coral Bleaching ab.

Das zweite große Problem stellt die Überfischung der Weltmeere dar. Fischfangflotten verdrängen traditionelle Fangmethoden. Lokale Fischer greifen zu verbotenen, aber effektiveren Methoden. Netze mit zu kleinen Maschen werden verwendet, gefischt wird in Schutzgebiete oder zu Brut- und Schonzeiten. Kilometerlange Netze auf Riffdächern ausgelegt, fangen vor allem die für den Aquarienhandel interessanten und begehrten bunten Rifffische. Im indopazischen und ostasiatischen Raum wird bis heute noch mit Zyanid und Dynamit gefischt. Eine Methode, die Unterwasserwüsten hinterläßt. Nur ein gesundes Riff kann überleben und dazu gehört auch eine intakte Fischpopulation.

Natürlich stellt auch der Tourismus eine Bedrohung dar: Menschenmassen im Riff, Abwässer und vieles mehr. Taucher wissen, daß Korallen keine Steine sind, sondern zerbrechliche Lebewesen. "Nichts anfassen, nur anschauen" ist Parole Nummer Eins. Eine gute Ausbildung und eine gute Tarierung sind der beste Riffschutz.

So können Sie die Riffe schützen - beim Tauchen:

Gutes Tarieren ist überlebenswichtig - nicht unbedingt für Sie, aber für die Riffbewohner unter Ihnen. Dies gilt besonders, wenn Sie mit Kamera unterwegs sind. Üben Sie Ihre Tarierung im Schwimmbad. Schließen Sie sich einem Tauchclub an, denn in Gemeinschaft macht das Üben viel mehr Spaß.

Als Tauchanfänger sollten Sie Wert auf eine gute Tauchausbildung legen, nicht nur der eigenen Sicherheit wegen. Während der Ausbildung sollte auch auf Themen wie Riffökologie und Umweltschutz eingegangen werden. Wählen Sie daher Ihre Tauchschule und Ihren Tauchlehrer mit Bedacht.

Auch bei der Auswahl des Reiseziels für Ihren nächsten Tauchurlaub und der Tauchbasis vor Ort sollten Sie den Umweltschutz nicht außer Acht lassen. Wähle Sie Ihre Tauchbasis nach Gesichtspunkten wie ihrem Engagement für die Unterwasserwelt aus (zum Beispiel Mitgliedschaft in Umweltschutzorganisationen oder die Durchführung von Projekten).

Respekt vor der Unterwasserwelt und ihren Lebewesen, dies ist der wichtigste Grundsatz. Sie sind Gast in der Unterwasserwelt, verhalten Sie sich dementsprechend.

So können Sie die Riffe schützen - an Land:

Engagiere Sie sich! Lernen Sie mehr über die Unterwasserwelt, denn nur wer sie versteht kann sie auch richtig schützen. Spenden an Riff- und Umweltschutz Organisationen, wie beispielsweise die PADI-Stiftung Projekt AWARE, sind wichtig, aber nicht alles. Vielmehr hilft persönliches Engagement. Viele Tauchbasen bieten Programme zum Mitmachen an, Clean Ups, Meeresbiologische Seminare, Riffschutzprogramme wie zum Beispiel Reef Check.

Ein weiterer Beitrag zum aktiven Riffschutz ist es, den Energieverbauch zu senken. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die globale Erderwärmung zu verlangsamen. Also: öfter mal das Auto stehen lassen und aufs Fahrrad umsteigen. Das hält auch fit fürs Tauchen.

Die Expertin


Constanze Conrad:
Die engagierte Taucherin ist führendes Mitglied der Umweltschutz-Organisation HEPCA (Hurghada Environmental Protection andConservation Association, www.hepca.com), die sich seit einigen ahren um den Erhalt der Riffe des Roten Meeres kümmert. Auf betreiben der HEPCA wurden beispielsweise über 580 Ankerbojen gesetzt, die unkontrolliertes Ankern verhindern helfen.
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Ägypter Ayman Taher, betreibt Constanze Conrad die Basis Blue Heaven Holidays im Süden Ägyptens (www.blueheavenholidays.com).

 
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