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"Ägypten - Land der Pharaonen und Taucher"
Tauchurlaub in der Tondoba Bay

Oktober 2004
Bericht von Angela Kielmann

 
Ägypten - Land der Pharaonen und Taucher
Tauchurlaub in der Tondoba Bay

Die arabische Republik Ägypten - Gumhuria el-Arabia-el-Masria - grenzt im Westen an Lybien, im Süden an den Sudan, im Osten an Israel und im Norden an die Mittelmeerküste. Das Land umfasst insgesamt 1.001.449 km² und ist damit ca. 3x so groß wie Deutschland, aber nur 4% sind fruchtbares Land, 96% Wüste.

Ägypten hat 68 Millionen Einwohner, davon sind 90% Muslime. Ca. 48% der über 15 Jahre alten Menschen sind Analphabeten. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei ca. 1.000 $ im Jahr !!

Inshalla (so Gott will) erleben die Frauen im Durchschnitt das 67., Männer das 64. Lebensjahr.

Ägypten ist von Deutschland aus ca. 3.200 km entfernt, nach etwa 4 Flugstunden erreicht man Hurgada. Nach 4 weiteren Autostunden kommt man nach Marsa Alam, einer Stadt mit ca. 2.500 Einwohnern. Dort gibt es z. Zt. 5 Festnetzanschlüsse und ein Mobiltelefon. (Für Mitarbeiter wie G.G. ein Grund, die Geschäftsbeziehungen anzukurbeln, oder?!)

Mit Unterstützung von Beate und Alex verbrachten wir, Robert, Marliese, Tina, Martin, Annelie, Mladen, Wolfhard und ich eine sehr interessante und abwechslungsreiche Woche in der Tondoba-Bay, Nähe Marsa Alam. Mitten in der Pampa, aber direkt am Roten Meer liegt die Tauchbasis „Blue Heaven Holidays (www.blueheavenholidays.com). Basisleiterin ist Constanze Conrad, eine deutsche und sehr aktive Meeresbiologin (siehe Unterwasser, Ausgabe Juni 2004), die wesentlich dazu beitrug, dass dieser Urlaub unvergessen bleibt. Für fantastische und sichere Tauchgänge sorgte auch Mahmud, der immer freundliche und umsichtige Tauchguide.

Ca. 300 m entfernt, auf einer kleinen Anhöhe, befindet sich die „Beduin Valley Lodge“ eine sogenannte Eco Lodge, nach ökologischen Gesichtspunkten aus Naturmaterialien gebaut und lt. Betreiber komfortabel eingerichtet. Insgesamt gibt es 20 Doppel-Bungalows mit Dusche/WC/Terrasse, die originell und abwechslungsreich bemalt sind. Die Anlage ist hübsch bepflanzt und neben dem Restaurant gibt es auch ein Beduinen-Zelt mit der Möglichkeit, eine Sisha (Wasserpfeife) zu rauchen oder Tee zu trinken.

Neben dem Non-Limit Tauchen stand ein sogenanntes Reef-Check-Seminar auf dem Programm.

Insgesamt haben an diesem 3-tägigen Seminar alle 10 TSF´ler sowie Michael aus D, Marc aus England und 3 Holländer teilgenommen.

Das Seminar begann mit einer sehr interessanten theoretischen Einführung auf der Basis, wobei auch tolle Dias gezeigt wurden. An den darauf folgenden zwei Tagen war Praxis angesagt.

U.a. erfuhren wir, dass das Korallenriff nach dem Regenwald das 2. höchste Ökosystem ist und ca. 100 Millionen Menschen davon leben. Außerdem bietet das Meer ca. 20 Millionen Tauchern weltweit Erholung. Durch vielfache Bedrohungen wie z. B. Überfischung, Aquarien- oder Dynamitfischerei, Pestizide, Abholzung der Regenwälder, Bautätigkeiten (z. B. Landfüllung) und Tourismus ist das Korallenriff in sehr großer Gefahr.

Aus dieser Erkenntnis heraus wurde mit Unterstützung von Constanze und ihrem Mann die Umweltschutzorganisation HEPCA (Hurgada Environment Protection and Conservation Association, www.hepca.com) gegründet. In Langzeituntersuchungen wurden zwischen 1993 und 1997 Riffe nach einer einfachen, schnellen und einheitlichen Methode beobachtet und die Ergebnisse dokumentiert.

Im Indo Pacific wurden 179 Riffe untersucht und beurteilt und dabei ca. 33% lebende Hartkorallen registriert; an 51 Riffen in der Karibik waren es nur 22% und in Ägypten waren es erfreulicherweise 48%, bei Tondoba Bay sogar 54% lebender Hartkorallen.

Nach dem Motto: „Man kann nur das schützen, was man kennt“ wurde 1997 zum Jahr des Riffes erklärt. Durch die Beobachtungen motiviert kamen immer mehr Wissenschaftler und Sporttaucher zum Reef-Check.:

In 1997 haben sich 100 Wissenschaftler und 750 Sporttaucher aus 31 Ländern beteiligt, in 2000 waren es bereits 160 Wissenschaftler und 1.500 Sporttaucher aus 50 Ländern, Tendenz steigend. In 2004 werden erstmals auch im Sudan Reef-Checks durchgeführt.

Große Organisationen wie PADI, VDST und Project aware beteiligen sich an diesen Projekten. Finanzielle Unterstützung leisten u. a. die Vereinten Nationen, die World Bank in USA, Quick Silver Found und die Di Caprio Foundation. Die Ergebnisse werden an eine Zentrale in Kalifornien weitergeleitet und dort ausgewertet.

Hier eine kurze Beschreibung, was beim Reef-Check gemacht wird:

Zuerst wird in 3 m Tiefe eine 95 m lange Schnur, eine sogenannte Transectleine, mit entsprechenden Markierungen im 5-m-Abstand und mit Blei beschwert, ausgelegt.

Zwei Gruppen mit je 6 Personen, führen dann die in der Theorie gelernten Aufgabe wahr.

Die sog. Fisch-Gruppe beobachtet in 3 m Tiefe und einem Abschnitt von 5 m Breite und Höhe für drei Minuten besondere Fischarten wie z. B. Zackenbarsche, Falterfische, Süßlippen, Napoleon, Papageienfische, also Fische, die besonders gefährdet sind. Das Ergebnis wird in einer Liste eingetragen Nach 20 m gibt es eine 5 m Pausenstrecke, also keine Erfassung. Zum Schluss kann es mit der Luft ganz schön eng werden.

Die Taucher der 2. Gruppe, die sog. Wirbellosen“ notieren - ebenfalls in 3 m Tiefe - den Bestand an Mördermuscheln, Seesternen, Diadem-Seeigeln, Garnelen, Muränen und Dornenkronen. Die 3. Gruppe, auch „Substratler“ genannt, hat die Aufgabe, alle 50 cm das zu notieren, was sich unter dem Lot befindet, z. B. eine Hart- oder Weichkoralle, Anemone, Sand, Steine, etc.

Mit den gleichen Aufgaben, aber diesmal in 10 m Tiefe, beschäftigt sich dann die Gruppe II.

Dank GPS werden die ausgewählten Riffe 1/x Jahr begutachtet, das Ergebnis erfasst und ausgewertet.

Wir machten diese Reef-Checks an unterschiedlichen Standorten. Die besonders sportlichen unter uns begannen um 6.00 Uhr mit dem Early-Morning-Dive am Hausriff, nach dem Frühstück ging´s per Bus zum Tauchplatz und während die eine Gruppe das Riff begutachtete, vergnügten sich die anderen mit Mahmud beim Spass-Tauchgang. Nach dem Mittagessen wurde dann gewechselt. Aber damit nicht genug, manch Eine(r) hatte noch genügend Power für den Nacht-Tauchgang. Am Abend des 3. Tages wurden auf der Basis von Constanze die Urkunden verteilt – ein tolles Gefühl, etwas Sinnvolles geleistet zu haben.

Annelie hatte am nächsten Tag Geburtstag, Grund genug für den harten Kern, bis Mitternacht auszuharren um ihr ein Geburtstagsständchen zu bringen.

Nach diesen 3 Tagen folgten zwei Tage auf einem Safari-Boot mit herrlichen Tauchplätzen, fantastischen Korallengärten, einem Wrack-Tauchgang und einer Grotte. Ein Ausflug zum Dolphin-House gehörte ebenfalls dazu, einem Naturschutzgebiet, das von Rangern streng bewacht wird. Leider trafen wir keine Delphine an.

Die Zeit verging sehr schnell und dann hieß es: Koffer packen und die Rückreise antreten. Danke an Euch alle, Ihr wart super !!

Herzliche Grüße an alle, die den Artikel bis zum Schluss gelesen haben.

Angela

 
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