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Satellit spioniert Algenteppich aus Ostsee:
377.000 Quadratkilometer großer gelbgrüner Teppich
London/Wien (pte/28.07.2010/06:00), Redakteur: Wolfgang Weitlaner

377.000 Quadratkilometer groß ist der gelbgrüne Algenteppich, der derzeit die Ostsee bedeckt. Neueste Satellitendaten der ESA zeigen das gesamte Ausmaß. Windstille und hohe Temperaturen haben dafür gesorgt, dass sich die Algen rasant vermehren konnten. Die betroffene Fläche reicht von Finnland bis nach Deutschland und Polen. Experten warnen vor den verheerenden Folgen für die Meeresumwelt.

Neben den natürlichen Bedingungen sind es auch Düngemittel, die von den landwirtschaftlich genutzten Flächen direkt ins Meer gespült werden und das Algenwachstum zusätzlich anheizen. Der diesjährige Algenteppich ist der größte seit 2005. Da die Blaualgen auch beim Menschen Ausschläge und Hautirritationen hervorrufen können, raten Experten dort vor einem Bad ab, wo die Algenteppiche sichtbar sind. Seit Jahrzehnten beobachten Wissenschaftler das Algenwachstum in der Ostsee.

Nicht nur natürliches Phänomen
"Massenweises Auftreten von Algen ist ein natürlicher Zyklus. Allerdings spielt das menschliche Zutun dabei auch eine wesentliche Rolle. In den vergangenen Jahren konnte man eine Häufung solcher Algenblüten feststellen und das hat mit dem Eintrag von Nährstoffen zu tun", meint der WWF-Meeresbiologe Georg Scattolin.

Ein weiterer Grund sei die Veränderung der Meeresströmungen durch Klimaveränderung. "Dies führt dazu, dass solche Algenblüten auch dort auftreten, wo sie bisher nicht bekannt waren." Nicht restlos geklärt sei der Umstand, ob Temperaturänderungen damit auch in Verbindung stehen, erklärt der WWF-Experte.

Österreicher erforschen Massensterben am Meeresgrund
Bei den optimalen Temperaturen und dem hohen Nährstoffeintrag können sich Algen und Phytoplankton ungebremst vermehren. Beim Abbau dieser Biomasse entsteht Sauerstoffmangel. "Diese Sauerstoffkrisen sind für das Massensterben am Meeresgrund verantwortlich", erklärt die Meeresbiologin Bettina Riedel von der Universität Wien im pressetext-Interview. "Man nennt diese Nährstoffanreicherung im Gewässer Eutrophierung."

"Wenn wasserfiltrierende Organismen wie Schwämme und Muscheln sterben, müssen an ihrer Stelle Bakterien das organische Material verwerten. Das kostet aber noch mehr Sauerstoff", erklärt die Meeresbiologin, die derzeit mit einem Wiener Forscherteam an der oberen Adria dem Phänomen der sogenannten Todeszonen nachgeht.

 
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